Update: Keinen Raum der [Universität der] Bundeswehr!

Update: Keinen Raum der [Universität der] Bundeswehr!

Die Position bedarf offenbar einer Erklärung. Hier ein Auszug aus einer Antwort auf eine kritische Mail:

Es geht nicht um Herrn Nohl als Person, natürlich nicht. Der Unterschied in der Auffassung ist allerdings, dass Herr Nohl in seiner Arbeit nicht von der Institution trennbar ist, für die er arbeitet. Er wird als Professor der Universität der Bundeswehr Hamburg eingeladen und als solcher vorgestellt. Er arbeitet für eine Institution die ein gewisses Leitbild und eine gewisse Struktur und Organisation hat. Die Universitäten der Bundeswehr sind keine herkömmlichen zivilen Universitäten. Dort werden fast ausschließlich Soldat_innen in sog. Offiziersausbildung unterrichtet. Zudem ist das Studium faktisch integraler Bestandteil der Ausbildung, da (nach eigener Aussage) ein Großteil der Offizier_innen in Ausbildung ein Studium absolviert und es teilweise Pflicht ist.

Es geht eben genau darum. Die Universitäten der Bundeswehr haben eine strukturelle Bedeutung in der Offiziersausbildung und eine direkte praktische Relevanz in der Rekrutierung und Reproduktion der Bundeswehr an sich. Ich denke, der Unterschied liegt darin, ob man die Existenz der Bundeswehr grundsätzlich akzeptiert und nur ein Werbeverbot möchte, oder ob man sich generell gegen Waffen und Militär einsetzen möchte. Eine konsequent antimilitaristische Haltung beinhaltet für mich aber, dass man die scheinbar zivilen Institutionen der Bundeswehr in eine Kritik miteinbezieht und ihre Bedeutung für das Militär und ihre Abhängigkeit davon anspricht. Herr Nohl als Angehöriger der Universität der Bundeswehr Hamburg muss sich leider einer solchen Kritik stellen. Denn dort zu arbeiten ist eben nicht dasselbe wie an jeder anderen zivilen Hochschule. Und als indirekter Vertreter der Bundeswehruniversität (i.e. eines Teils des gehobenen Ausbildungssystems der Bundeswehr) muss er sich auch damit auseinandersetzen, dass es Kritik an seinem Auftreten in der Zivilgesellschaft gibt, weil er eben nicht ohne einen gewissen institutionellen Rahmen auftritt. Dabei geht es nicht um ihn persönlich, sondern um seine Arbeit, aufgrund welcher er überhaupt eingeladen wird. Als reinen Privatmenschen und nicht als Prof. (der Bundeswehruniversität) würde das ZfL ihn nicht einladen. Und das macht den Hintergrund seiner Arbeit bedeutsam, ohne dass sie inhaltlich relevant wird.

Ein Werbeverbot der Bundeswehr würde viel ausmachen. Es würde aber nichts an der Attraktivität der Bundeswehr für einige junge Menschen an sich ändern, denen durch die Offiziersausbildung z.B. ein vollfinanziertes, staatlich anerkanntes Studium geboten wird. Die Universität der Bundeswehr besteht aus diesem Grund. Mir ist klar, dass die Forderung nach der Abschaffung der Bundeswehr keine populäre ist und dass im Zusammenhang damit die Kritik an der Universität der Bundeswehr als Institution auch nicht viel Unterstützung findet. Ich finde es allerdings wichtig, eine Diskussion darüber zumindest zu anzustoßen.

 

Hier die ursprüngliche Stellungnahme:

Am 24.5. möchte das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) der Philipps-Universität Marburg einen Gast der Universität der Bundeswehr Hamburg einladen. Wir stellen uns entschieden dagegen! Angehörigen des Militärs und seiner Institutionen darf kein Raum gewährt werden!

Die Normalisierung der Bundeswehr hat in den vergangenen Jahren – auch im Zuge ihrer neuen Imagekampagne – perfide Züge angenommen. Hip und neu präsentiert sich das Militär und versucht dabei zu verschleiern, dass es eigentlich um marschieren, gehorchen und töten auf Befehl geht. Die Bundeswehr ist in diversen Auslandseinsätzen tätig und ermöglicht und unterstützt die gezielten Kampfeinsätze anderer Armeen. Die Bundesrepublik ist noch immer eine der wichtigsten Waffenproduzentinnen der Welt, wenn es um Exporte geht. Dass oft genug anderen die Waffen in die Hand gegeben werden, damit sie sich vor Ort selbst gegenseitig umbringen können, verdeutlicht nur noch eines: „Von deutschem Boden“ gehen noch immer Krieg und Leid aus!

Durch das scheinbar selbstverständliche Eindringen der Bundeswehr in zivilgesellschaftliche Räume und Diskurse soll deren Existenz und Arbeit verharmlost werden. Wir positionieren uns entschieden gegen die Vereinnahmung gesellschaftlichen Raums durch das Militär! Eine Universität, die nach ihrem Selbstverständnis “durch die akademische Bildung die Attraktivität des Offizierberufs” erhöhen möchte, hat in der (Zivil)gesellschaft keinen Platz! Ob der Inhalt der Veranstaltung etwas mit der Bundeswehr selbst zu tun hat oder nicht, ist völlig unerheblich. Indem das ZfL die Bundeswehr in jeglicher Gestalt einlädt und ihr eine Plattform bietet, beteiligt es sich direkt an deren Normalisierung. Angehörige*r der Bundeswehr zu sein, egal in welchem Bereich, ist kein herkömmlicher Beruf und darf es auch niemals werden! Wie absurd ist es da, aus Perpektive der Lehrer*innenausbildung einen Prof. der Militäruniversität zu hofieren. Eine Erziehung für Frieden, Gerechtigkeit, internationale Solidarität und gegen Rassismus kann nur ohne das Militär und gegen dessen Einsätze geschehen!

DIE BUNDESWEHR GEHÖRT NICHT IN SCHULEN!
SIE GEHÖRT AUCH NICHT IN DIE UNIVERSITÄT!
UND DAMIT AUCH NICHT IN DIE LEHRER*INNENAUSBILDUNG!

 

In solidarischer Unterstützung:

Referat für Hochschulpolitik, AStA Marburg

SDS.dielinke Marburg

DIDF Jugend Marburg

Fachschaftspower Uni Marburg