Motivation

Motivation

Washing one’s hands of the conflict between the powerful and the powerless means to side with the powerful, not to be neutral

Paulo Freire

Kritische Pädagogik. Warum?

  • Erziehung als politische Praxis
    Bildung und Erziehung werden in der konvetionellen Bildungs- und Erziehungswissenschaft als quasi apolitische Felder angesehen, und dies nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis. Gleiches wird in der Ausbildung Erziehender vermittelt. Das ist nicht nur falsch, sondern auch fatal für die Emanzipation der Lernenden und junger Menschen überhaupt. Angesichts der strukturellen Bedeutung von Bildungs- und Erziehungseinrichtungen für die Gesellschaft, muss – anlehnend an Paulo Freire und Antonio Gramsci – pädagogisches Handeln als politisches Handeln verstanden werden. Pädagogische Arbeit sowie Aufbau und Handeln pädagogischer Institutionen haben praktische Auswirkungen auf die Gesellschaft. Umgekehrt hat auch politisches Handeln mit Hinblick auf gesellschaftliche Transformation immer eine pädagogische Dimension. Dies unterstreicht die Bedeutung kritischer Pädagogik in Theorie und Praxis.
  • Konsequentes Handeln für gesellschaftlichen Wandel
    Kritische Bildungsforschung hat hinreichend bewiesen, dass unsere Gesellschaft und deren Bildungssystem sich auf die Manifestierung sozialer Ungleichheit und in Konsequenz auf soziale Ungerechtigkeit stützt. Dies ist auch in Kreisen konventioneller Pädagogik und natürlich in der Praxis von Lehrenden in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen anerkannt. Daraus werden aber keine wirksamen und nachhaltigen Konsequenzen gezogen. Im Gegenteil: Neoliberale Bildungsreformen, die die scheinbare Rechtfertigung sozialer Ungleihheit verstärken, werden von der Mehrheit getragen und teils sogar vertreten. Das muss sich ändern. Lehrende und Erziehende müssen sich ihrer Verantwortung stellen und konsequent handeln.
  • Konkret werden
    Aber nicht nur differenzierte Kritik and Bestehendem ist wichtig, sondern auch das Entwickeln progressiver, emanzipatorischer Konzepte. Zudem muss die Zusammenarbeit und der Austausch verschiedener gesellschaftlicher Gruppen angeregt und gestärkt werden, um jene an der Gestaltung transformativer pädagogischer Konzepte und Praktiken teilhaben zu lassen und die Breite und den Zusammenhang sozialer Bewegung(en) für gesellschaftlichen Wandel zu vergrößern.

Kritische Pädagogik in Marburg. Warum?

  • Marburg unkritisch und unpolitisch
    Facetten kritischer Bildungs- und Erziehungswissenschaften sind in Marburg praktisch nicht vertreten und in Kreisen konventioneller Pädagogik auch nicht erwünscht. Abgesehen beispielsweise vom geringen Stellenwert der Pädagogik im Lehramtsstudium in Marburg, wird in der Regel weder ein breites Spektrum an pädagogischen Ansätzen und Strömungen angeboten, noch Gelehrtes hinterfragt oder kritisch diskutiert. Bildungs- und Erziehungsarbeit wird in komplexe Kontexte von Schule, Eltern, Technologie- und Praxisprobleme etc. eingeordnet, diese werden aber nicht in politische und ökonomische Zusammenhänge (sozialer Ungleichheit und Ungerechtigkeit) gestellt. Dabei wird sich der Mitverantwortung für gesellschaftliche Probleme entzogen. Das ist inakzeptabel.
  • Kritik äußern und Studierende miteinbeziehen
    Besonders im Kontext neoliberaler Bildungsreformen, beispielsweise durch sog. Bildungsstandards oder standardisierte Tests, ist es wichtig, ebenjene vor Entfremdung und Entmenschlichung zu schützen, sie in ihrer Emanzipation von einem System manifestierter sozialer Ungleicheit und Ungerechtigkeit zu unterstützen und selbst im Zusammenwirken mit sozialen Bewegungen für menschenwürdige Bildung und Erziehung aktiv zu werden. In Marburg wird weder sichtbar Kritik an bestehenden Verhältnissen geäußert, noch werden Studierende in kritische Diskurse einbezogen. Das muss sich ändern.